Gefühlte Kälte - windchill

zuletzt bearbeitet am 25.06.2009

Heute ist wieder so ein Tag. Draußen Plusgrade. Aber sie fühlen sich an wie bitterster sibirischer Winter. Einbildung? Nein. Die gefühlte Temperatur kann drastisch von der tatsächlichen abweichen. Wetterdienste haben deshalb die sogenannte "windchill temperature" erfunden, die "gefühlte Kälte". Die lässt sich sogar berechnen und damit vorhersagen. Aber wissen Sie eigentlich, WARUM sie sich so kalt anfühlt?

Schon der schwächste Wind macht aus Plusgraden gefühlte Minusgrade. Ist Wind kälter als stehende Luft? Dies kannst du selbst mit zwei trockenen Thermometern überprüfen. Weißt du, wie?
Das Ergebnis sollte sein: Wind ist nicht kälter als die gleiche stehende Luft. Warum frieren wir dann aber mit Wind mehr als ohne?

Der Wind bläst das warme Luftpolster weg, das unsere Haut umgibt. Die Folge: Bei Wind kühlt der Körper schneller aus. Unsere Körperwärme wird schneller abtransportiert.

+37°C Betriebstemperatur brauchen die inneren Organe zum Funktionieren. Kann der Körper die nicht aufrechterhalten, startet er ein Notprogramm: Er stoppt die Durchblutung von Händen, Füßen, Nase, nur damit der Rest länger warm bleibt. Eine mögliche Folge im Extremfall: Erfrierungen. Reicht das nicht aus, wird es auch weiter innen im Körper kalt. Es droht Unterkühlung, die zu Herzstillstand führen kann.

Je nach Windgeschwindigkeit können +2°C mit Wind den gleichen Schaden anrichten wie -7°C, -13°C oder sogar -17°C ohne Wind. Nicht immer muss dabei Sturm im Spiel sein. Der Wind kann selbst verursacht sein, z.B. durch Fahrtwind. Rasante Skifahrer riskieren sogar bei mildem Wetter Frostschäden.

Ein Blick aufs Theromometer allein sagt deshalb nur wenig über die Wirkung der Kälte aus. Besser kurz die Nase in den Wind halten. Was für den Körper zählt, ist die gefühlte Temperatur.

Mehr Informationen zum Thema findest du hier:

Site des Kanadischen Wetterdienstes (auf Englisch)
www.msc-smc.ec.gc.ca/education/windchill/index_e.cfm

Übersichtstabellen und Rechner zum Ermiteln der persönlichen Werte
www.explorermagazin.de/service/chill.htm